Ziel

Etablierung sowie vertikale und horizontale Integration des neuen Berufsbildes „Physician Assistant“ mit allgemeinmedizinischem, hausärztlichen Kompetenzprofil nach den Vorgaben der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in die Versorgungsrealität an der Westküste Schleswig-Holsteins.

Hintergrund

Im Jahr 2017 waren 26,3 Prozent der Bevölkerung Schleswig-Holsteins über 65 Jahre alt. Im Hinblick auf die demografische Entwicklung wurde ermittelt, dass der Anteil der mindestens 65 Jahre alten Bevölkerung bis 2030 insgesamt um 23 Prozent ansteigen werde. Problematisch ist die vertragsärztliche Versorgung dort, wo hausärztliche Versorgerpraxen auf dem Lande, welche bis zu 2.000 Patienten versorgen, keinen Nachfolger finden. Die meisten der betroffenen Praxen in den ländlichen Gebieten sind für die hausärztliche Versorgung unentbehrlich, doch sind von den knapp 2.000 Hausärzten in Schleswig-Holstein etwa ein Drittel mindestens 60 Jahre alt und etwa 340 mindestens 65 Jahre alt.  Es ist weiterhin zu berücksichtigen, dass gerade die älteren, jetzt ausscheidenden Hausärzte häufig hohe bis sehr hohe Patientenzahlen haben, während die Nachfolger tendenziell beispielsweise wegen einer Teilzeittätigkeit als angestellter Arzt weniger ,,Arztzeit” zur Verfügung stellen können und dementsprechend weniger Patientinnen und Patienten versorgen können. Somit stehen Krankenhäuser und Arztpraxen in ländlichen Regionen vor dem Problem, dauerhaft eine qualitative Versorgung zu gewährleisten. Die Zahl der Ärzte wird trotz aller Bemühungen um den Nachwuchs endlich bleiben und gerade die Nachbesetzung im ländlichen Raum stellt eine Herausforderung dar, darüber hinaus müssen sich die Einsatzmöglichkeiten mit dem Faktor Arztzeit in Übereinstimmung bringen lassen. Bei zunehmendem Versorgungsbedarf aufgrund der demografischen Entwicklung und gleichzeitiger Abnahme der ärztlichen Kapazitäten insbesondere in ländlichen Regionen sollten arztentlastende Maßnahmen zur Anwendung kommen.

In Schleswig-Holstein ist vor allem die Westküste vom Fachkräftemangel betroffen. Das Westküstenklinikum Heide liegt im Landkreis Dithmarschen mit einem Einzugsbereich von 133.000 Einwohnern. Die Bevölkerung ist offen gegenüber innovativen Versorgungsformen wie die mit Ärzten abgestimmte Betreuung durch speziell qualifizierte medizinische Fachkräfte oder die Nutzung von Videosprechstunden. Entsprechende Lösungen werden nicht nur akzeptiert, sondern sogar ganz konkret erwartet.

Für die Gesundheitspolitik im Lande stellt die Sicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum eine der zentralen versorgungspolitischen Herausforderungen dar. 

Wesentliche Bausteine einer möglichen Lösungsstrategie sind Kooperationen, Telematik und Künstliche Intelligenz, aber vor allem auch sektoren-verbindende Versorgungsformen. Patientenversorgung der Zukunft sollte in multiprofessionellen, regional aufgestellten Teams erfolgen.